Chronik

Die Gründung unseres Burschenvereins und wichtige Ereignisse in der Vereinsgeschichte

130 Jahre Burschenverein Philadelphia Meßnerskreith

Bereits im Jahre 1876 taten sich in Meßnerskreith junge Männer zusammen, um eine Burschengesellschaft zu gründen. Doch nach kurzer Zeit löste sich der neue Verein wieder auf. Der zweite Anlauf zur Gründung einer freien Burschengesellschaft erfolgte im Jahre 1879 in Rappenbügl. Als Vereinslokal wählte man die im Jahre 1872 in Hausnummer 10 errichtete neue Gastwirtschaft durch Jakob Huber, dessen Nachfolger die Fritsch, Steinbauer und ab 1900 die Luft waren. Diesmal fand der junge Verein mehr Zuspruch, wobei die zentrale Lage des Ortsteils Rappenbügl auch mit beigetragen hat. Man gab sich zunächst den Namen „Burschengesellschaft Deutsche Eiche“ und traf sich in regelmäßigen Abständen in Vereinslokal. Entspannung nach einer Woche harter Arbeit, durch Vergnügen und Geselligkeit, aber auch gemeinsame Bildung durch den Ankauf von guten Zeitschriften gehörten zu den Aufgaben der Gesellschaft, wie man alle Burschenverein einst bezeichnete.

Zum Ankauf einer neuen Fahne reichten die Mittel damals noch nicht aus. Zu gering waren die Einnahmen oder die Förderung von und durch die Freunde und Gönner. Burschenveranstaltungen wurden in der Presse nur selten erwähnt. Wenn, dann höchstens im Zusammenhang mit einer Rauferei mit ernsten Folgen. So hat man die freien Burschenschaften im 19. Jahrhundert recht stiefmütterlich behandelt. Das Recht zu wählen oder gewählt zu werden bekam man erst mit 25 Jahren und die Mehrheit der Burschen lag und liegt auch heute unter dieser Altersgrenze. Auch der Verdienst war in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts äußerst gering. Der gesetzlich vorgeschriebene Tagesverdienst eines Hilfsarbeiters betrug 1890 bei einer Arbeitszeit von 10 Stunden 1,20 Mark. Ein Fahrrad kostete 180 – 200 Mark und war für die meisten Burschen ein unerschwinglicher Luxus. Noch immer war die schwere Wirtschaftskrise vom Jahre 1873 nicht überwunden. Die wirtschaftliche Depression dauerte sieben Jahre und erreichte 1880 ihren Höhepunkt. Was sich in dieser Zeit in unserem Land abspielte, kann man sich aufgrund unserer weltweiten Information gut vorstellen. Selbst schwere Strafen aufgrund geringfügiger Diebstähle schreckten einzelne vor Einbrüchen und Raubüberfällen nicht ab. So begann vor 100 Jahren die große Zeit der Auswanderer. Waren es im Jahre 1879 nur 51.700 Deutsche, die den Weg in eine ungewisse Zukunft wählten, so stieg ihre Zahl 1880 bereits auf 149.000 an. In einem Zeitraum von fünf Jahren wanderten rund 850.000 Deutsche aus. Dass der größte Teil in den Vereinigten Staaten von Amerika eine neue Heimat und dauernde Bleibe fand, ist mit Sicherheit anzunehmen.

Auch aus den Reihen der Burschengesellschaft „Deutsche Eiche“ ließen sich einige unternehmungslustige Burschen auf die Reise in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ein. Die fleißigen und anpassungsfähigen Deutschen waren in den USA willkommene und hochgeschätzte Arbeitskräfte.

Wie der Burschenverein zu seinem jetzigen Namen kam

Philadelphia, drittgrößte Stadt Nordamerikas, wurde im Jahre 1682 gegründet. Bereits 1683 siedelten sich in der Stadt der „brüderlichen Liebe“ deutsche Kolonisten an. 1883 feierten die deutschen Ansiedler in Kultur- und Festwochen und einem großartigen Festzug das 200jährige Bestehen. Abertausende von Einwanderern deutschstämmiger Herkunft nahem daran teil. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass sich die zahlreichen neu Eingewanderten unter den Teilnehmern oder Zuschauern befanden.

Leider sind uns alle schriftlichen Unterlagen des Jubelvereins infolge der turbulenten und schicksalsreichen Jahre bis zur Wiedergründung 1949 abhanden gekommen. Auch das einzige belegbare Gründungsmitglied er Burschengesellschaft „Deutsche Eiche“, Johann Voit, der anlässlich des 50. Gründungsfestes als Ehrenmitglied teilnahm, schein nicht derjenige Spender gewesen zu sein, für den man ihn bei vorangegangenen Festen hielt. Es war ein anderer Bursche aus Meßnerskreith, der im Jahre 1896 sich seiner ehemaligen Jugendfreunde erinnerte. Neben einer Geldspende übersandte er auch eine grüne Fahne, die mit dem Sinnbild der Hoffnung, einem Anker bestickt war. Man kann sich die Freude über beide Geschenke bei den Meßnerskreither Burschen gut vorstellen. Ohne lange zu zögern ließ man die Bezeichnung „Deutsche Eiche“ fallen. Ab 1896 wurde der Name „Burschenverein Philadelphia“ angenommen. Als Bestätigung – auch dem edlen Spender gegenüber – entwarf man eigene Statuten und gab diese in Druck. Eines dieser Dokumente blieb uns erhalten. Der originalgetreuen Wiedergabe ist nichts mehr hinzuzufügen.

Die Mitglieder der freien Burschengesellschaften waren damals in der überwiegenden Mehrzahl Arbeiter- und Kleingütlersöhne. Ihr geschlossenes Auftreten und Streben nach mehr Freiheit, mehr Bildung und Wissen, ließ sich mit der bestehenden Gesellschaftsordnung schlecht vereinbaren. Der totale Untertanengeist in dem Vierklassensystem (die Arbeiterschaft war die vierte und letzte Klasse im Kaiserreich) und das nicht öffentliche Kundtun mit „Hurra“ und „Hochrufen“ auf Kronprinz Luitpold und Kaiser Wilhelm bis zum Beginn des ersten Weltkriegs und schließlich ihre Neigung nach links waren Faktoren, die von der Obrigkeit mit Argusaugen beobachtet wurden. Wen wundert es heute nicht, wenn sich diese geistige Unterdrückung über die Woche aufstauten und an den Sonntagen, nach der Einnahme von mehreren Litern Bier, durch Streit und auch Raufereien bei dem ein- oder anderen auf diese Weise entlud.

Manchmal waren es auch Außenstehende oder vom Verein wegen ihres Benehmens ausgeschlossene Mitglieder, die jede Gelegenheit wahrnahmen, einen Streit mit allen seinen Folgen vom Zaun zu brechen. Derartige Fälle wurden mit bissigen Kommentaren in der Zeitung festgehalten. „Da und dort“, hieß es dann, „wurde gerauft, dass die Fetzen flogen“ oder „schlug man sich mit Bierkrügen die Schädel ein“ oder „gab es blutige Köpfe“. Gefährlich wurde es, wenn die „Messerstecher“ in eine derartige Rauferei verwickelt waren. Sie waren bekannt, gefürchtet und gemieden. Innerhalb einer geschlossenen Veranstaltung, wie Tanz, der ja damals bereits um 15:00 Uhr begann und um 21:00 Uhr offiziell beendet war, machte man mit derartigen Stänkerern kurzen Prozess. Man setzte sie ins Freie. Das Drama vollzog sich meistens außerhalb der Wirtschaft. Ein derartiges tragisches Ereignis, mit tödlichem Ausgang, wird uns vom 16.11.1890 aus Münchshofen in der Burglengenfelder Zeitung übermittelt. Die Gesellschaft „Einigkeit“ hielt im Gasthof Hintermeier eine Tanzveranstaltung ab. Gegen neun Uhr erschien ein bekannter Raufbold aus der Nachbargemeinde und begann mit einem Burschen Streit. Der gutmütige Vorstand von „Einigkeit“, Johann Baptist Ehrenreich, wollte schlichtend eingreifen. Die Streitenden zogen nach draußen. Ehrenreich, der den Streit auch außerhalb der Wirtschaft schlichten wollte, wurde von dem Burschen aus der Nachbargemeinde mit einem Messer derart zugerichtet, dass auch jede ärztliche Hilfe zu spät gekommen wäre. Mit drei Jahren Gefängnis wegen Rauferei mit Todesfolge kamen die Täter meistens davon. Manchmal wurde auch der Angreifer zum Opfer und es erfolgte Freispruch wegen Notwehr. Heutzutage reagieren die Burschen ihre überschüssige Kraft zum Glück in sportlichen Wettkämpfen wie Fußball ab.

Es war wirklich nicht alles eitel Wonne und Sonnenschein, was sich im 19. Jahrhundert innerhalb und außerhalb der Gemeinde Meßnerskreith abspielte. Tatsache blieb, dass alles, was gerichtlich verfolgt wurde, der Öffentlichkeit mit Name und Alter bekannt gegeben wurde. Selbst Unschuldige wurden auf diese Weise verdächtigt und einige davon nahmen sich deswegen das Leben.

In den letzten fünf Jahren des 19. Jahrhunderts herrschte vor allem bei der königl. Bay. Eisenbahn eine rege Bautätigkeit. Fast jede größere Ortschaft wollte ihre Lokalbahn. Da wurden (ähnlich wie heute) durch die Abgeordneten Eingaben gemacht und Hoffnungen geweckt, die wegen der finanziellen Belastungen nur zu einem geringen Teil verwirklicht werden konnten. Erst ab 1893 begann man mit den Vermessungsarbeiten für den Ausbau einer zweiten Spur auf der Bahnstrecke Regensburg – Schwandorf. Ab März 1896 war es so gut wie beschlossen, dass die Lokalbahn Haidhof – Burglengenfeld erbaut wird. Um die Jahrhundertwende wurden die Über- bzw. Unterführungen nach Leonberg oder Verau-Rappenbügl erstellt. Zuvor mussten bekannte Einwohner bei den Bahnübergängen ihre Leben lassen. Auch der Vereinswirt Fritsch wurde vom Zug überfahren.

Die erste Vereinsfahne des Burschenvereins Philadelphia

Den finanziellen Grundstock zum Ankauf oder Anfertigen einer Vereinsfahne brachte der Freund aus Amerika. Aber auch innerhalb der aktiven Mitglieder wurde gesammelt und gespendet. Im Jahre 1899 konnte man mit großer Freude die Fahne von der Fahnenstickerei abholen und, nach damaligem Burschenbrauch, durch eine Fahnenmutter enthüllen lassen. Diese alte, noch vorhandene, erste Vereinsfahne konnte deshalb in unsere Zeit hinübergerettet werden, weil beherzte ehemalige Burschenbrüder sie im allerletzten Moment in ein sicheres Versteck bringen konnten. Darüber wird noch ausführlicher berichtet werden.

Einer der ganz alten Burschen von „Philadelphia“, Georg Niedermeier, stand im zehnten Lebensjahr, als die Fahne neben der Fahne der FFW Meßnerskreith die zweite war, die innerhalb der Gemeindegrenzen ihren Aufbewahrungsplatz fand. Die Burschen, so erzählte uns Niedermeier aus seinen Kindheitserinnerungen, die sich durch Spenden an der Finanzierung der Fahne beteiligten, erhielten anlässlich ihrer Heirat einen Stammkrug mit Deckel und einen Wecker als Abschieds- und Hochzeitsgeschenk vom Burschenverein. Diesen Brauch hält man auch bei anderen Vereinen noch aufrecht. Nur der zur Zeit der Fahnenenthüllung in Mode gekommene Uhr-Wecker wurde nach dem letzten Spender nicht mehr zur Hochzeit verschenkt. Die Fahne wurde bis zum Jahr 1914 auf zahlreichen Festen mitgetragen. Dann kam der erste Weltkrieg. Die meisten der aktiven Burschen wurden eingezogen und nicht wenige davon starben den Soldatentod. Als 1918 der Krieg, der Millionen junger Burschen und Familienväter entweder das Leben gekostet oder zu Invaliden gemacht hatte, zu Ende war, glaubte wohl niemand, dass sich ein derartig schlimmes Gemetzel noch einmal wiederholen würde. Leider sollte dieser Glaube später bitter enttäuscht werden.

Als der Burschenverein sein 50jähriges Bestehen feiern konnte, begann jene von den USA ausgehende Wirtschaftskrise mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen.

Einiges aus der Zeit zwischen 1918 und 1933

Als Burschen und Männer aus dem Krieg oder der Gefangenschaft 1918 und –19 entlassen wurden, herrschte in der Heimat bittere Armut. Bauern- und Soldatenräte sorgten dafür, dass alles einigermaßen in geordneten Bahnen verlief. Kaiser und Landesfürsten wurden abgesetzt und an ihre Stelle traten Präsidenten. Das allgemeine Wahlrecht wurde eingeführt und das Wahlalter auf 20 Jahre gesetzlich verankert. Auch durften nun die Frauen in Deutschland wählen.

Das Vereins- und Kulturleben zwischen den Weltkriegen stand in hoher Blüte. Der Untertanengeist gegenüber König und Kaiser, Fürsten und Grafen war vergessen. Es wurden die Feste gefeiert, wie sie fielen. Auch der Kirwabaum wurde allerorts durch die Burschenvereine anlässlich des Kirchweihfestes oder der Kirwa aufgestellt. Das Küchlbettln am Kirwamontag und oft einige Tage danach gehörte zur guten Burschentradition, genauso, wie das Umtanzen des Kirwabaumes.

Der Burschenverein Meßnerskreith pflegte vor allem in der Sommerzeit noch andere Vergnügungen. Man zog auf Schusters Rappen in nahe Ortschaften und verlebte vergnügte Nachmittage. Hirschling, mit dem sich die Meßnerskreither Burschen besonders eng verbunden fühlten, war oft das Ziel der Wanderungen. Auch der Ausflugsort Mariental wurde oft gemeinsam besucht. Die eigene Musik spielte auf und es herrschte Lust und Fröhlichkeit. Mühevoll wurde nur immer der weite und zum Teil beschwerliche Heimweg ( daran hat sich bis heute nicht viel geändert) . Damit der Durst auch unterwegs gestillt werden konnte, kaufte man sich bei Marientaler Wirt ein Fässchen Bier, das von zwei Burschen abwechslungsweise getragen werden musste, nahm gegen Ersatzgebühr einen Krug mit Deckel mit und zog nach Hause.

Einmal, es war ein lauwarmer Sommerabend und die Musikanten spielten voller Freude ihre Stücke, hörten sie während einer kurzen Pause von der gegenüberliegenden Regenseite gleichfalls Musik herüberklingen. Kaum war diese verstummt, begannen die Meßnerskreither aufzuspielen. Es entwickelte sich ein Zwiegespräch der Musikanten vom Schwarzenberg bis hinab ins Regental. Dieses Erlebnis blieb den alten Burschen tief im Gedächtnis haften. Der Krug von Mariental blieb im Vereinsbesitz und nimmt seit mehr als 80 Jahren einen Ehrenplatz unter den zahlreichen Lieseln ein.

Die Rettung der Fahne und ihr Versteck während des 3. Reiches

Weltwirtschaftskrise, ausgelöst 1929, Massenarbeitslosigkeit, 1932 über 6 Millionen, und veränderte Mehrheitsverhältnisse im deutschen Reichstag hatten an dem Untergang der Weimarer Republik einen entscheidenden Anteil. Hitler kam an die Macht und die Gleichschaltungsbestrebungen der NSDAP zerstörten alles, was demokratischen Strukturen hatte. Neben den Gewerkschaften und Parteien wurden auch die freien Burschenvereine verboten, das Vereinsvermögen beschlagnahmt und ihre Symbole, wie Fahnen, Vereinsbilder, etc. verbrannt. Auch die letzte Stunde der Burschenvereinsfahne schien bald geschlagen zu haben. Eine Gruppe uniformierte SA-Männer hielt im Luftsaal einen Appell ab. Der Zeitpunkt war bekannt. Auch jenen drei Männern, die entschlossen waren, die Fahne während dieser Zusammenkunft zu retten. Der Fahnenkasten befand sich oberhalb des Saales und während im Saal die SA versammelt war, wurde das Vorhaben in die Tat umgesetzt. Der im gleichen Hause wohnende Ludwig Hartl ließ sich vom Vereinswirt den Schlüssel für den Fahnenkasten aushändigen, ging unauffällig nach oben, sperrte den Kasten auf und entnahm daraus die Fahne. Unten im Hofraum, unter dem Fenster der Dienstbotenkammer, warteten Josef Schmalzbauer und Karl Lauterbach. Bange Minuten verstrichen, bis sich oben das Fenster öffnete und Ludwig Hartl die zusammengerollte Fahne samt Stiel nach unten reichte. Trotz der Dunkelheit eilte man auf Umwegen und vorsichtig zum Haus von Josef Schmalzbauer. Niemand, außer den drei ehemaligen Burschen und den Familienangehörigen von Josef Schmalzbauer, durfte etwas von dem Versteck erfahren. Zunächst versteckte man die Fahne unter einer Matratze. Als jedoch durchsickerte, dass wegen der Fahne Hausdurchsuchungen vorgenommen würden, schuf man in aller Eile auf dem Dachboden, unter dem Fehlboden ein sicheres und unauffälliges Versteck. Die Hausdurchsuchungen verliefen ergebnislos.

Fast zur gleichen Zeit, jedoch unabhängig davon, entfernte kurz vor Eintreffen der SA der ehemalige Burschenvorstand Michael Plank ein altes Burschenvereinsbild und ließ dieses gleichfalls in einem Versteck verschwinden. Den Kassenbarbestand teilte man unter den ehemaligen Mitgliedern auf. Im Jahre 1934 wurde er dann bei einer zwanglosen Veranstaltung in der Gastwirtschaft Fink restlos in Bier umgesetzt.

Die Fahne befand sich, unbemerkt von der Außenwelt, bereits 10 Jahre im Hause des späteren Gocklwirts . Ein paar Mal im Jahr wurde sie aus ihrem Versteck geholt und zwecks Lüftung und Entstaubung über bzw. unter ein unbenutztes Bett ausgebreitet. Das schon zur Gewohnheit gewordene Platzwechselspiel wurde auch während der Kriegsjahre beibehalten. Eines Abends, im Jahr 1943, als Bombenangriffe bei Tag und Nacht ganze Städte vernichteten, klopfte es an die Haustür beim Schmalzbauer. Draußen stand ein älterer Soldat, zeigte seinen Quartierschein vor und wurde daraufhin eingelassen. Es war ja nicht zum ersten Mal, dass Soldaten einquartiert wurden. Die Reichsbahn München – Berlin wurde öfter einmal von führenden Machthabern des 3. Reiches benutzt. Diesmal war es der „Duce“, Benito Mussolini, Hitlers glückloser Verbündeter, der Hitler einen Besuch in Berlin abstattete. Strengste Sicherheits-vorkehrungen wurden entlang der Bahn getroffen. So mussten alle 50 Meter bewaffnete Posten aufgestellt werden, damit kein Unbefugter in die Nähe der Geleise kam. Auch der unbekannte Soldat gehörte zu den Sicherheitsposten. Dem Soldaten wurde das Zimmer mit dem leerstehenden Bett zugewiesen. Frau Schmalzbauer wünschte dem gutmütig aussehenden Landser eine angenehme Nachtruhe und wartete voll Bangen auf den Morgen.

Als der Einquartierte am nächsten Morgen zum Kaffeetrinken herunterkam, wurde er sofort gefragt, ob er gut geschlafen habe. Der freundliche Mann erzählte ohne lange Umschweife, er habe anfangs schlecht schlafen können, weil unter seinem Bett eine Fahne samt Stiel verborgen gewesen sei. Er hätte diese dann herausgenommen und über den Wäscheschrank gehängt. Dabei habe er natürlich auch gelesen, um was für eine Fahne es sich gehandelt habe. „Gute Frau“, sagte er, „lassen Sie diese Fahne lieber besser verschwinden! Es ist zu gefährlich, so etwas in dieser Zeit aufzubewahren!“

Außer schlaflosen Nächten, man wusste ja nicht, ob der Soldat das Geheimnis verraten hatte, geschah bis zum Kriegsende nichts mehr, was der Fahne und damit Ihnen gefährlich hätte werden können. Weitere vier Jahre verstrichen, ehe man sich 1949 mit der geretteten Fahne erstmals öffentlich aufzutreten wagte.

Die Wiedergründung des Burschenvereins „Philadelphia“

Das „tausendjährige“ Dritte Reich dauerte 12 Jahre, davon 6 Kriegsjahre, wobei dem „Führerstaat“ ein ruhmloses und schreckliches Ende widerfuhr. Nicht nur die Millionen gefallener Soldaten, sondern auch die Opfer der Zivilbevölkerung durch Luftangriffe und Zerstörung ganzer Städte durch Bomben und Granaten machten den NS-Staat mit Hitler an der Spitze für alle Gräueltaten, die während des Krieges geschehen sind, verantwortlich. Ostpreußen und Schlesien gingen verloren und Deutschland wurde geteilt. Millionen deutschsprechender Landsleute wurden von ihrer angestammten Heimat vertrieben und zum größten Teil in der Bundesrepublik neu angesiedelt. Die Not, die vor allem in den Nachkriegsjahren unser Volk zu tragen hatte, darf nicht vergessen werden.

Ganz zögernd erfolgte der demokratische Wiederaufbau. Als erste unternahmen politische Parteien, allen voran die KPD den Versuch, wieder Ordnung in das zerrüttete Land zu bringen. Vereine, mit Ausnahme der aus Sicherheitsgründen notwendigen Freiwilligen Feuerwehren und karitative Organisationen, durften nicht gegründet werden. Schützen- und Burschenvereine mussten ihre Tätigkeit mehr oder weniger illegal aufnehmen.

Bald nach Kriegsschluss taten sich alte und junge Burschen zusammen, um ihren Burschenverein wieder zu gründen. Dies jedoch war damals nur unter dem Deckmantel einer politischen Partei – der DKP - möglich. Damit überhaupt die Genehmigung für eine Tanzveranstaltung erteilt wurde, musste die Mitgliedschaft dieser Partei nachgewiesen werden. Einige Burschen folgten dem Rat Michael Baumanns und ließen sich aufnehmen. Noch bevor Josef Schmalzbauer im Jahre 1946 erster Vorstand des Vereins wurde, hatte von 1945 bis zu diesem Zeitpunkt Hans Zetzl dieses Amt wahrgenommen. Die ca. 40 Burschen, die sich in der Gastwirtschaft Fink im Jahre 1946 zusammenfanden, wählten Josef Schmalzbauer jun. zum ersten Vorstand. Die ersten Tanzveranstaltungen, getarnt unter dem Namen KPD, wurden wieder im alten Luftsaal abgehalten. Das ursprüngliche Vereinslokal wurde nicht mehr gewechselt.

Buchstäblich über Nacht wurde der Verein von den Amerikanern wieder verboten, sämtliche Unterlagen eingezogen und die Kasse beschlagnahmt. Die Zwangspause, während der sich die Burschen aber trotzdem hie und da trafen, dauerte bis August 1949.

Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Der freien Entfaltung von Vereinen stand nun nichts mehr im Weg.

Der Burschenverein Deutsche Eiche Leonberg trat mit den öffentlichen Veranstaltungen als erster Verein auf den Plan. Am 21. August, genau eine Woche nach der ersten Bundestagswahl, wurde ein Kellerfest abgehalten. Vater und Sohn Josef Schmalzbauer überredeten einige Burschen zum mitmachen. Erst um diese Zeit holten sie die Fahne aus ihrem Versteck. Mit ihr und einem Vereinstaferl zogen sie an diesem 21. August nach Leonberg. Eine Aufnahme zeigt bereits die große Anzahl der Teilnehmer

Dies ist die Geschichte des Burschenvereins Philadelphia Meßnerskreith bis zu seiner Wiedergründung. Der Text wurde mit geringen Änderungen aus der Festschrift zum 100jährigen Gründungsfest übernommen. Die wichtigen Ereignisse nach der Wiedergründung sind werden nachfolgend kurz beschrieben. Die Angaben zu den Vorstandschaften, den Burschenfahrten und den Gründungsfesten werden in eigenen Kapiteln behandelt.

• 28.08.1949 Einführung des Beitragsbuches, Aufnahmegebühr 1 DM, Monatsbeitrag: 50 Pf

• 11.06.1950 Teilnahme am Gründungsfest des BV Winkerling am 11. 06. mit 54 Burschen

• 13.08.1950 Zweiter (40 Burschen) beim Fest der Pirkenseer Burschen, Gewinn einer 1 ½ Liter Liesel

• 16.10.1950 Erstmaliges Aufstellen des Kirwabaumes (Geschenk von Josef Bengler aus Katzheim)

• 1951 Ausbau des Luftsaales, diverse Tanzveranstaltungen mit den Kapellen „Gubernath“, und „Herzband“

• 1953 Strafzahlung von 50 DM, weil „einige Mädchen unter 16 Jahren an den Tanzveranstaltungen teilnahmen“

• 01.12.1955 Gründung der Kreisburschenvereinigung Burglengenfeld

• 1957 Erste Mehrtagesfahrt, Ziel: Der Bodensee

• 03.08.1958 Vereinsfoto

• 01.03.1958 Beschluss, einen Entwurf für eine neue Fahne anfertigen zu lassen

• 15.03.1958 Kostenvoranschlag für die neue Vereinsfahne: 1200 DM

• 04.06.1960 Gruppenerster beim Fußballturnier auf Kreisebene, jedoch Niederlage gegen die anderen Gruppenersten aus Pirkensee und Bubach a. d. N.

• 02.12.1960 Übernahme der Patenschaft für den BV „3 Rosen Pirkensee“ anlässlich deren 75jährigen Gründungsfestes

• 01.12.1963 Abstimmung über Durchführung einer Fahnenweihe; Ergebnis: Unentschieden, Punkt wird zurückgestellt

• 1965 Gruppenerster und Gesamtdritter beim Kreisfußballturnier

• 1966 Vizemeisterschaft im Kreisfußballturnier

• 1971 Grandioser Fußballsieg über die Bubacher: 10:1; leider trotzdem nur Gesamtdritter

• 1972 Vereinsfahne wird gereinigt und repariert

• 15.–17. 06. 1972 Teilnahme am Bundesbezirksmusikfest anlässlich der 25-Jahrfeier der Werkskapelle und der 100-Jahrfeier der Werksfeuerwehr der Maxhütte

• 1973 Teilnahme am Burschenfest in Ponholz mit 57 Burschen

• 1974 Teilnahme am Festzug des SV Leonberg, der sein 50jähriges Bestehen feierte, mit 61 Burschen

• 1974 Gewinn der Fußballkreismeisterschaft bei den Burschenspielen

• 1975 1. Platz beim Fußball

• 1976 1 Platz beim Kreispokalfußballturnier (mit 10:0 Sieg über Ponholz)

• 1976 Meistpreis in Ponholz

• 22.01.1978 Eisstockturnier zwischen Burschen, Ehrenmitgliedern und Männern der FFW Meßnerskreith

• 1983 2. Sieger im Fußballturnier der fünf Burschenvereine der Stadt Maxhütte-Haidhof

• 1984 Teilnahme am 1. Bayerischen Burschentreffen in Mitterteich

• 12.03.1984 Alois Luft, Konrad Feuerer und Heinrich Koller werden für jahrzehntelange Treue und Verbundenheit zum Burschenverein „Philadelphia“ von Vorstand Johann Seidl mit einem Bierkrügl geehrt.

• 08.01.1985 Aufgrund eines Spendenaufrufes von Landrat Schuierer werden für Äthiopien 100,00 DM bereit gestellt

• 10.02.1985 Es wird beschlossen, zusammen mit der FFW und dem OGV ein Zelt 16 x 8 m anzuschaffen

• 1985 Der Burschenverein stellt die beste Mannschaft und den besten Einzelschützen beim Vereinsvergleichsschießen der Jägerblutschützen

• 1985 Bei der Stadt- und Kreismeisterschaft im Fußball wird jeweils der letzte Platz belegt

• 20.04.1986 Erwin Heckl wird sich um eine neue Abdeckung für das Kirwabaumloch kümmern

• 13.09.1986 Die Kreisburschenvereinigung hält im Gasthaus Luft einen Preis­schafkopf ab

• 1986 Aufgrund schlechter Witterung wird das Gocklschlogn im Saal abgehalten

• 28.11.1986 Im Luftsaal wird der Film vom 100jährigen Gründungsfest gezeigt

• 1987 Beim 115jährigen Gründungsfest des BV Leonberg wird der Meistpreis errungen, ein anschließendes Schubkarrenrennen wird mit dem 2. Platz beendet, bei der Fußballstadtmeisterschaft erzielt man einen 3. Platz.

• 1988 Beim Josefischießen des Schützenvereins „Schwarzer Berg“ wird ein 3. Platz erreicht. Es wird in einer Burschenversammlung darauf hingewiesen, die Burschentracht – schwarze Hose und weißes Hemd – zu beachten. Beim Burschenfest in Münchshofen wird mit 23 Burschen der Meistpreis erreicht. Beim Fußballturnier der Vereine vom Stammlokal Luft wird ein 2. Platz erzielt

• 1997 Beim KBV Frühjahrstanz in Bubach a. d. Naab wird der Meistpreis mit 42 Burschen geholt. Beim KBV Kegelturnier in Münchshofen wird ein dritter Platz belegt .Beim Burschenfest in Leonberg wird am Festzug mit 50 Burschen teilgenommen und der Meistpreis geholt.

• 1998 270 zahlende Gäste besuchen den Lumpenball. Beim KBV-Kegelturnier wird mit 402 Holz der dritte Platz erreicht. Am 09.05.1998 wird im Luftsaal der Film vom 100jährigen Gründungsfest gezeigt. Die Vereinsgemeinschaft „östlich der Bahn“ spendet für das Jugendprogramm der Stadt Maxhütte-Haidhof 1000,00 DM. Unser Verein wird nicht gemeinnützig. Umfangreiche Satzungsänderungen wären nötig.

• 1999 280 Besucher beim Burschenball. Beim Burschenfest in Neukirchen wird der Meistpreis geholt. In der Burschenversammlung am 10.10.1999 wird über den schlechten Zustand der alten Fahne gesprochen. Es wird beschlossen, die Fahne so zu belassen, wie sie ist.

• 1999 Patrick Reisinger holt beim Naabtallauf in Katzdorf in der Altersklasse „Männliche Jugend B“ den zweiten Platz in einer Zeit von 18 m 47 s über eine Distanz von 5 km. Beim KBV-Frühjahrstanz in Münchshofen wird mit 19 Burschen der Meistpreis geholt. Helmut Huber wird beim Philadelphia-Cup mit 112 Holz bester Einzelkegler. Am Burschenfest in Gelting wird mit sechs Burschen teilgenommen und per Bus angereist

• 2000 Beim Schubkarrenrennen in Münchshofen wird der 1. Platz, beim KBV-Fußballturnier der zweite Platz erreicht. Die KBV Burglengenfeld feiert das 45jährige Gründungsfest im Pfarrheim St. Michael Burglengenfeld

• 2000 Dem Ehrenmitglied Klodwig Seidl wird zu seinem 70. Geburtstag am 27.08.2000 ein Bierkrügl überreicht. Der Kirwatanz am 14.10.2000 wird im Pfarrheim Rappenbügl abgehalten, da der Luftsaal nicht benutzt werden kann.

• 2001 Es werden die neuen Burschen-Caps und Sweatshirts beschafft. Die Patenschaft beim 130jährigen Gründungsfest des BV „Deutsche Eiche“ Leonberg wird übernommen. Nach 25jähriger Pause wird das KBV-Fußballturnier gewonnen. Josef Hochmuth bezahlt den halben Kaufpreis der neu angeschafften Trikots. Beim Schubkarrenrennen in Münchshofen erzielt unser Verein den zweiten Platz. Im Vereinsjahr 2001 werden leider keine neuen Burschen aufgenommen.Thomas Zeins wird für seine besondere Zuverlässigkeit als Fahnenträger lobend erwähnt.

• 2002 Die geplante Burschenfahrt nach Dresden wird wegen Hochwasser abgesagt. 07. – 09.06.2002 Die Patenschaft beim BV „Deutsche Eiche“ Leonberg wird übernommen. Das Gocklturnier wird zum dritten Mal hintereinander gewonnen

• 2002 Es wird entschieden, das 125jährige Gründungsfest 2004 in kleinem Rahmen abzuhalten. Ein Ball der Vereine findet erstmals im Luftsaal statt und ist ausverkauft. Beim Fußballturnier in Leonberg wird ein 1. Platz erzielt, beim KBV Fußballturnier wird unsere Mannschaft zweiter Sieger

• 2003 Teilnahme von Burschen und Vorstandschaft bei Veranstaltungen wird zusehends schlechter, nach dem Sommernachtsfest und dem internen Kranzl scheint es wieder aufwärts zu gehen. Das Taferl wird bei einem Fest in Sünching im Bus vergessen und taucht nie wieder auf. Die Burschenfahrt muss wie im Vorjahr aufgrund organisatorischer Fehler entfallen, ebenso wie der Philadelphia-Cup. Beim KBV-Watterturnier erreicht die Mannschaft Huber Helmut/Wagner Alexander den zweiten Platz

• 2004 Die Planung für das 125jährige Gründungsfest in kleinem Rahmen beginnt. Ein neues, geschnitztes Taferl wird angeschafft. Das KBV Kegelturnier wird mit 403 Holz erstmals gewonnen. Helmut Huber wird mit 119 Holz bester Einzelkegler. Josef Karl wird beim KBV Fußballturnier Torschützenkönig

• 2005 Es wird eine Gedenkminute für die Flutopfer in Südostasien abgehalten. Der Philadelphia Cup wird von den Ehrenmitgliedern gewonnen

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